Mission impossible
Publik-Forum 11/2020

Mission impossible

Kolonialismus und Rassismus in christlichem Gewand

ich denke, es ist Zeit, wieder von Sünde zu reden. Sünde ist für viele ein antiquierter Begriff, tausendfach missbraucht für Verhaltensweisen, die der Wucht des Wortes nicht gerecht wurden. Es hat ja seinen Grund, wenn umgangssprachlich heute von »Sünde« nur noch im Zusammenhang mit Süßigkeiten und Tempoüberschreitungen gesprochen wird. Das ändert aber nichts daran, dass dieser Begriff wie kaum ein anderer dazu geeignet ist, das abgrundtief Böse zu beschreiben, das was auf keinen Fall (aus gläubiger Perspektive würde man hinzufügen: vor Gottes Angesicht) sein darf und sein soll. Weder strukturell, noch persönlich. Rassismus zum Beispiel. Wir sind erschüttert über die Ereignisse in den USA, weiten im Hauptkommentar aber den Blick auf den Alltagsrassismus, der wie ein Geschwür immer wieder aufbricht.

Im Ressort »Religion & Kirchen« fragen wir, inwieweit der Kolonialismus und die ihn oft begleitende christliche Mission Anteil an dieser rassistischen Schuld- und Sündengeschichte hat. Immerhin stand zu Anfang des 19. Jahrhunderts mehr als die Hälfte der Welt unter europäischer Vorherrschaft. Das bedeutete auch eine – oftmals erzwungene – christliche Dominanz in der Kultur, wenngleich die Anliegen von Missionaren und Kolonialherren nicht deckungsgleich waren, wie Johann Hinrich Claussen erläutert. Viola Rüdele erklärt, was postkoloniale Theologie ist und wie postkoloniale Theologinnen die Bibel lesen. Und wir gratulieren Eugen Drewermann zum 80. Geburtstag. Er schrieb einen Klassiker zum zeitgemäßen Verständnis von Sünde: »Strukturen des Bösen«. Wiederlesen lohnt sich.

Das Ressort »Leben & Kultur« erinnert an Hannah Arendt, die derzeit in Berlin mit einer Ausstellung geehrt wird. Ihre Rede von der »Banalität des Bösen« wird bis heute kontrovers diskutiert. Sie sah Urteilskraft als politisches Handeln – das bleibt aktuell, gerade jetzt.

Das sind keine leichten Themen in einem Sommer, der durch Corona ohnehin keine Leichtigkeit verbreitet. Aber Sie finden auch Gegenbilder. »Im Blick« zeigt, wie sich Afrikaner die bunten Waxprints angeeignet haben, die heute überall zu sehen sind . Geschichte bleibt offen. Wir können sie gestalten.

Verlag: Publik-Forum; 64 Seiten
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