In der Identitätsfalle
Publik-Forum 5/2021

In der Identitätsfalle

Der neue Kampf für ein Klima der Freiheit

in Deutschland ist ein Streit entbrannt, wie Debatten über Geschlechtergerechtigkeit, Postkolonialismus und Rassismus geführt werden sollten – beziehungsweise ob solche Debatten überhaupt noch möglich sind oder an Sprechverboten und der Ausgrenzung von Mitdiskutierenden scheitern. Im Kern geht es um eine Verständigung darüber, inwieweit sich die Gesellschaft Identitätsfragen benachteiligter Gruppen zu eigen machen soll und muss.

Auch in der Redaktion treibt uns diese Debatte um. Wir haben sie daher zum Titelthema dieser Ausgabe gemacht – mit einem Essay von Alexander Schwabe und einem Interview mit Cigdem Toprak. Die Politologin sieht zumindest bei der Integration von Zuwandererfamilien auch positive Entwicklungen: Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund bewegten sich aufeinander zu, sagt sie.

Gerade Frauen wissen, wie schwer es ist, Gleichberechtigung durchzusetzen. Schwarze Frauen, Musliminnen und Frauen mit Handicap leiden sogar gleich mehrfach unter Diskriminierung. Das berichtet die Feministin Natasha Kelly im Nachgefragt, das wir anlässlich des Frauentags geführt haben. Muss man sich da wundern, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte oder mit nicht-weißer Hautfarbe oder jene, die sich nicht als Frau oder Mann definieren, einen schärferen Ton anschlagen, wenn es um Zugehörigkeit und gesellschaftliche Teilhabe, um kulturelle Aneignung und den Umgang mit historischen Irrwegen geht? Dass sie sprachliche Verbotsschilder errichten und manche Position nicht mehr hören wollen, Stichwort: Cancel Culture?

Dass sie damit Abwehr und Gegenwehr erzeugen, ist ebenso nachvollziehbar. Letztlich leben gesellschaftliche Debatten von diesem Für und Wider. Auch die 68er waren ja nicht gerade zimperlich. Anders als damals wird heute aber nicht nur an Universitäten oder im Feuilleton gestritten, sondern auch in den sozialen Medien – mit unseriösen Zuspitzungen, persönlichen Diffamierungen und von Rechten oft sogar mit Drohungen. Das ist Gift für das gesellschaftliche Klima.

Es ist wichtig, dem etwas entgegenzusetzen. Das wollen wir tun und der Debatte weitere Beiträge widmen. Dabei wünsche ich uns und Ihnen spannende Erkenntnisse.

Verlag: Publik-Forum; 64 Seiten
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