Rassismus
Publik-Forum 3/2022

Rassismus

Warum er uns alle angeht

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Kind war ich leidenschaftlich gern Sternsingerin und zog am 6. Januar mit anderen Kindern meiner Pfarrei als »Heilige Drei Könige« von Haus zu Haus. Am liebsten war ich »Kaspar«, denn der wurde schwarz geschminkt. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Ganz anders, als ich als Erwachsene die Sternsinger-Aktion begleitete und zu dieser Zeit auch mit Geflüchteten aus Syrien, Somalia und Eritrea in Kontakt war: Es war einfach klar und bedurfte keiner Diskussion, dass wir kein weißes Kind schwarz schminken würden. Das wäre mehr als merkwürdig und unpassend gewesen. Da hatte sich einiges verändert – durch das Zusammenleben mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe, aber auch durch gesellschaftliche Debatten. Ich finde es gut, dass das so ist. Gemeinsam mit meiner Kollegin Nana Gerritzen habe ich mich anlässlich des zweiten Jahrestages des Hanau-Attentats intensiv mit Rassismus beschäftigt. Dabei ist mir klargeworden, wie sehr dieses Thema auch mich angeht, dass Jesus eine »Person of Color« war und dass sich die Kirchen hierzulande viel mehr ihres eigenen Rassismus bewusst werden sollten (Seite 12).

Einen Bewusstseinswandel erleben derzeit offenbar auch die katholischen Bischöfe in Deutschland. Zumindest einige von ihnen. Bei der dritten Vollversammlung der Delegierten des Synodalen Wegs »war der Sound ein anderer«, wie mein Kollege Michael Schrom berichtet. Drei Tage lang war er bei den Beratungen dabei, gemeinsam mit unserer Volontärin Judith Bauer. Fast keimt so etwas wie Hoffnung auf, beobachtet er: die katholische Kirche könnte ganz anders sein: geschlechtergerecht, offenherziger, klarer, geschwisterlicher. »Hätte ich früher so gedacht wie heute, wäre ich wohl nie Bischof geworden«, sagt ein Amtsträger freimütig. Jetzt aber macht sich eine immer größere Zahl jene Forderungen zu eigen, die Katholikinnen und Katholiken schon vor mehr als 25 Jahren beim Kirchenvolksbegehren erhoben (Seiten 11 und 32).

Herzlich begrüßen wir Cornelia Füllkrug-Weitzel als neue Mit-Herausgeberin von Publik-Forum. Die Pfarrerin und ehemalige Präsidentin von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe hat ihre neue Aufgabe Anfang Februar angetreten. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!

Ich wünsche Ihnen eine ermutigende Lektüre!
Barbara Tambour

Verlag: Publik-Forum; 64 Seiten
Bestellnummer: 2203
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