Ein Land als Geisel
Publik-Forum 4/2022

Ein Land als Geisel

Wie die Ukraine im neuen Ost-West-Konflikt zerrieben wird

Liebe Leserin und lieber Leser,

ist das schon die Invasion Russlands in den Osten der Ukraine? Während ich diesen Satz am Dienstagmorgen kurz vor Redaktionsschluss schreibe, überschlagen sich die Meldungen: Präsident Wladimir Putin hat die Separatisten-Republiken Donezk und Luhansk als unabhängig anerkannt, gepanzerte Fahrzeuge überqueren die russisch-ukrainische Grenze. Wir wissen nicht, was passieren wird, bis am Freitag dieses Heft bei Ihnen ist – eine quälende Unsicherheit in der Sorge um den Frieden in Europa. Die Reporterin Rebecca Barth berichtet für uns aus der Ukraine; sie erzählt von Menschen, die zum Spielball der Weltpolitik geworden sind (Seite 12). Das können, müssen wir tun: auf die schauen, denen der Krieg das Menschsein zu rauben droht. Unser Hauptkommentar auf Seite 10 blickt auch auf die Fehler der Nato seit dem Ende des Ostblocks. Bei aller Verurteilung der russischen Aggression bleibt dies notwendig.

Am Aschermittwoch ist nichts vorbei: Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kehrt aus der Auszeit zurück, die ihm Papst Franziskus gewährt hat. Christoph Fleischmann hat sich im Erzbistum umgehört, verfolgt, wie sich die Verantwortlichen im Missbrauchs-Prozess gegen Pfarrer Ue. winden. Sein Fazit: Das alte System des Kardinals Meisner ist noch immer stark (Seite 26).

Kritisch über den Ex-Papst Joseph Ratzinger zu schreiben, das ist einfach. Kritisch über einen Theologen zu schreiben, dem ich mich in vielem nahe fühle – das ist schwer. Und doch ist es richtig, dass Publik-Forum über Eugen Drewermanns scharfe Impfgegnerschaft schreibt, über seine Unterschrift unter einem zweifelhaften Friedensappell, seine Auftritte in problematischen Medien. Drewermann sagt: Jesus hat sich auch nicht darum geschert, welchen Menschen er wo begegnete. Aber ist es nicht doch ein Unterschied, wo und mit wem man gemeinsam etwas sagt? Es darf, soll, muss gestritten werden, so engagiert wie fair (Seite 34).

Und dann gilt es, Danke zu sagen: Der Schriftsteller Jürgen Israel zieht sich nach zehn Jahren aus der Herausgeberschaft zurück. Ein unabhängiger, kluger Kopf, ein geradliniger Mensch, der in der DDR Haft für die Wehrdienstverweigerung in Kauf nahm – er bleibt uns ein wichtiger Ratgeber.

Ihnen eine anregende Lektüre!

Matthias Drobinski

Verlag: Publik-Forum; 64 Seiten
Bestellnummer: 2204
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