Der Schock
Publik-Forum 5/2022

Der Schock

Putin zwingt der Welt die Kriegslogik auf

Liebe Leserin, lieber Leser,

geht es Ihnen auch so? Zwei Wochen ist es her, dass Wladimir Putin seine Truppen in die Ukraine geschickt hat, dass Krieg herrscht in Europa. Wenn ich nun in den Medien Bilder sehe von zerstörten Städten, von Menschen, die unter zerbombten Straßen in U-Bahn-Schächten ausharren und wenn ich von einer möglichen Atomkatastrophe höre, oder wenn ich die blassen Gesichter der Geflüchteten sehe, wenn ich am Berliner Hauptbahnhof vorbeifahre, dann kann ich all das immer noch nicht fassen: Dass das alles wirklich geschehen ist und weiterhin geschieht.

Die Politik spricht von einer »Zeitenwende«, und dazu gesellt sich eine Rhetorik, die für uns doch eigentlich von gestern war. Auf einmal geht es wieder um Wehrhaftigkeit, Landesverteidigung, Aufrüstung, Atomschlag – Begriffe, die wir im tiefsten Frieden nicht mehr in den Mund genommen haben, die wir fast vergessen hatten. Natürlich war das ein ungeheurer Luxus, denn in weiten Teilen der Welt war der Krieg nie verschwunden. Für die meisten von uns aber ist es erschreckend neu, und das merkt man. Nicht nur die Bundeswehr ist für den Krieg nicht gerüstet, auch sonst steht unsere Gesellschaft konzeptionell und intellektuell ziemlich blank da.

Ehrlicherweise gilt das auch für die Publik-Forum-Redaktion. Auch wir sind alles andere als sicher, wie wir mit dieser Situation umgehen sollen. Also haben wir uns auf die Suche nach Antworten gemacht und dafür den Großteil dieses Heftes verwendet. Der Psychologe Georg Vielmetter erklärt uns, warum unser Gehirn so gepolt ist, dass wir sich anbahnende Gefahren und Risiken oft falsch einschätzen (Seite 14). Claudia Mende hat sich angeschaut, wie die Friedensbewegung auf einen eindeutigen Aggressor wie Putin reagiert (Seite 18). Ulrike Scheffer beleuchtet die Optionen der Außenpolitik, in einem Moment, »wo man eigentlich nur zwischen Pest und Cholera wählen« könne, wie es die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock kürzlich ausgedrückt hat (Seite 16). Und wir haben uns gefragt, was dieser Krieg für die orthodoxen Kirchen in Moskau und Kiew bedeutet (Seite 22) und für ukrainische Gläubige hier in Deutschland (Seite 24).

Es fällt mir schwer, Ihnen in diesen Zeiten »viel Vergnügen bei der Lektüre« zu wünschen. Doch wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Heft ein wenig helfen können, diese Zeitenwende einzuordnen und zu verstehen.

Ihr Constantin Wißmann

Verlag: Publik-Forum; 64 Seiten
Bestellnummer: 2205
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