Pazifismus unter Beschuss
Publik-Forum 6/2022

Pazifismus unter Beschuss

Frieden schaffen – mit Waffen?

kurz nach dem Ende des Kalten Krieges habe ich den Kriegsdienst mit der Waffe verweigert. Ich wollte nicht zum Töten ausgebildet werden und in der Zeit nach dem Abitur was Sinnvolles machen. »Aus Gewissensgründen« durfte ich das, also als individuelle Option. Lieber wäre mir gewesen, dass unser Staat auch kollektiv auf Verteidigung ohne Waffen gesetzt hätte, dass es Pläne und Strategien für Zivile Verteidigung gebe. Viele, die sich der christlichen Tradition verbunden fühlen, fragen sich nun: Welche Option ist angesichts des brutalen Krieges in der Ukraine angemessen? Im aktuellen Heft führen wir diese Auseinandersetzung nicht nur im Gespräch mit Militärbischof Franz-Josef Overbeck (Seite 28), sondern auch in dem Beitrag von Joachim Garstecki (Seite 32), ehemaliger Herausgeber von Publik-Forum, und im Hauptkommentar von Michael Schrom (Seite 10).

Was mich wütend macht und enttäuscht: dass die russisch-orthodoxe Kirchenführung den Kriegskurs von Wladimir Putin unterstützt. Positiv gewendet kann man freilich sagen, dass außerhalb Moskaus eine überwältigende Mehrheit der Christinnen und Christen den Angriffskrieg Russlands scharf verurteilt; selbst russisch-orthodoxe Priester kritisieren ihren Patriarchen (Seiten 34-35).

Bei Menschen aus der Generation meiner Eltern rühren die aktuellen Bilder oft an eigene Kriegserlebnisse. Eine Frau fragt mich besorgt, ob ich sicher sei, dass es keinen Krieg gebe bei uns. Ich versuche zu beruhigen, sage, dass ich das für extrem unwahrscheinlich halte. Doch bin ich mir sicher? Sicher kann ich nicht sein, wenn ich ehrlich bin. Barbara Tambour ist der Frage nachgegangen, was der Krieg in der Ukraine in den Seelen in Deutschland auslöst (Seite 44).

Einer, der für den Frieden gestritten hat, dabei aber selbst immer umstrittener wurde, ist Eugen Drewermann. Nachdem mein Kollege Matthias Drobinski im Heft 4 aktuelle Positionen von Drewermann kritisiert hat, veröffentlichen wir in diesem Heft nicht nur Ausschnitte aus dem breiten Leserecho (Seite 59), sondern auch eine Antwort von Drewermann (Seite 38). Möge unser aktuelles Heft etwas zur Klärung der schwierigen Fragen beitragen.

Herzlich
Christoph Fleischmann

Verlag: Publik-Forum; 64 Seiten
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