Zeitenwende, Zerfall und die Suche nach Sinn
Publik-Forum 9/2022

Zeitenwende, Zerfall und die Suche nach Sinn

Harald Welzer und Andreas Holzem über die Krise der Gegenwart

Liebe Leserin, lieber Leser,

meine Eltern hatten ein Auto ohne Autoradio. Und so sangen wir auf Reisen, bis wir heiser waren: von Stürmen und brausenden Wogen oder das Lob des Frühtaus. Manchmal aber holte mein Vater tief Luft, wurde feierlich und begann: »Am Grunde der Moldau, da wandern die Steine …« Bertolt Brecht, vertont von Hanns Eisler, ganz schön gewagt für einen frommen Katholiken. »Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne/Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt./Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne/Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.«

Es wechseln die Zeiten. Bertolt Brecht dichtete das 1943 im Exil. Er war sich sicher, dass die Zeiten sich zum Besseren wenden, die Nazis besiegt würden, die neue Welt schon im Werden sei. Wenn wir in diesem Heft über Zeitenwenden diskutieren, klingen wir weniger sicher und zukunftsskeptischer – und sind doch nicht ohne Perspektiven. Michael Schrom und ich haben darüber mit Harald Welzer, dem Sozialpsychologen, und dem Theologen Andreas Holzem geredet (Seite 26). Constantin Wißmann macht sich Gedanken zu der Frage, was es bedeutet, links zu sein, wenn Kapitalisten die Welt retten wollen und Arme rechts wählen (Seite 12).

Die Corona-Krise und die Sorge vor einem Atomkrieg verengen unseren Blick: Wie geht es uns, was droht uns? Manchmal gerät dabei aus dem Blick, wie es anderswo in der Welt aussieht. Ende April war ich in Jerusalem und habe im Ostteil der Stadt das Auguste-Viktoria-Krankenhaus besucht, das Behandlungen für Krebskranke in den Palästinensergebieten auf der Westbank und im Gazastreifen anbietet. Doch die so wichtige Einrichtung droht zerrieben zu werden im Nahost-Konflikt, unter Beteiligung eines ungarischen EU-Kommissars (Seite 18).

Unser nächstes Heft erscheint zum Katholikentag in Stuttgart. Leserinitiative, Verlag und Redaktion werden da sein, wir freuen uns auf viele leibhaftige Begegnungen! Wir haben aber auch ein attraktives Programm organisiert, an dem Sie live im Netz teilnehmen können. Details finden Sie auf Seite 33. Und wenn Sie aktuelle Beobachtungen, Analysen, Kommentare vom Treffen lesen wollen: Besuchen Sie vom 25. bis 29. Mai unsere Homepage www.publik-forum.de.
Eine inspirierende Lektüre wünscht
Matthias Drobinski

Verlag: Publik-Forum; 64 Seiten
Bestellnummer: 2209
Weiterempfehlen:
6.00 €
/
8.00 CHF
inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten

Das könnte Sie auch interessieren

Mit meinem Konto anmelden
Später anmelden
E-Mail-Adresse/Passwort nicht korrekt.