Gottes Geschenk?
Publik-Forum 4/2026

Gottes Geschenk?

Das Christentum, die Liebe und der Sex

Liebe Leserin, lieber Leser,

Hieronymus Bosch ist herrlich skurril. Er malte seinen »Garten der Lüste« um 1500, an der Schwelle zur Neuzeit, als dreiteiliges Bild über Schöpfung, menschliches Begehren und dessen Abgründe. Unser Titelbild ist ein Detail aus der Mitteltafel, die eine paradiesische Scheinwelt zeigt: Ein nacktes Paar treibt in einer durchsichtigen Kugel dahin. Eine Kritik, dass sich die beiden von der Welt isolieren, eingeschlossen in ihre Lust? Eine Utopie unbeschwerter Sinnlichkeit? Oder geht es genau um solche Widersprüche?

Rätselhaft und skurril erscheint auch meinem Kollegen Michael Schrom immer wieder, wie das Christentum mit Sexualität umgeht. Seit ich ihn kenne, treibt ihn die Frage um: Warum um Himmels willen ist die Kirche nur so besessen von Sex, Geschlecht, Enthaltsamkeit, Ehe, Homosexualität? An Jesus kann es jedenfalls nicht liegen. Wie es zu dieser Fixierung kam, warum das Thema bis heute Gesellschaften spaltet und ob Bibel und Theologie etwas Sinnvolles zum Gespräch beizutragen hätten, hat er gründlich recherchiert. Daran anschließend erzählt die Autorin Nana Myrrhe an ihrer persönlichen Geschichte, wie eine rigide Sexualmoral Körpergefühl, Scham und Beziehungen prägt.

Jenseits solcher intimer Fragen steht Kirche vor einer ganz öffentlichen Herausforderung: Vor zwei Jahren erklärten die deutschen Bischöfe, völkischer Nationalismus und Christentum seien unvereinbar. Nun ringen Gemeinden und Bistümer um die praktische Umsetzung dieser »Brandmauer«. Mein Kollege Paul Kreiner hat sie vorsichtig abgeklopft: Sind die Kirchen konfliktfähig, wenn es darauf ankommt?

Wenn es darum geht, herauszufinden, was wirklich wichtig ist, gilt die Fastenzeit als gute spirituelle Übung. Doch unser Kolumnist Peter Otten fand sie schon als Kind doof, vor allem, wenn er zur Beichte musste, während Fußball im Fernsehen lief. Kratzt denn das Leben nicht schon genug an uns, wie die abgelegten Pullis seiner Cousins? Ich finde seine Antwort inspirierend, weil sie leicht ist und gleichzeitig ernst nimmt, was Menschen trägt.

Diese Ausgabe zeigt einmal mehr, was Bosch schon wusste: dass das Menschliche selten ordentlich sortiert daherkommt. Viel Neugier bei der Lektüre – und darüber hinaus!

Anne Strotmann


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