Publik-Forum 6/2026
Frieden schaffen - jetzt mit Waffen?
Ein Streitgespräch über christliche Friedensethik
Liebe Leserin, lieber Leser,
im Unterlinden-Museum in Colmar steht eines der berühmtesten Auferstehungsbilder. Matthias Grünewald hat es gemalt, und kaum ein anderer hat die österliche Dramatik von Verlassenheit und Triumph so eindrücklich in Farben gepackt. Das Bild, das ursprünglich im Eingangsbereich eines Hospitals hing, sollte den Schwerstkranken Trost und Hoffnung vermitteln. Kann man es auch politisch interpretieren - als Beginn einer Friedensbewegung? Jochen Cornelius-Bundschuh, der ehemalige Landesbischof von Baden, hat im Gespräch mit Friederike Krippner, Mit-Autorin der neuen evangelischen Friedensdenkschrift, ein Detail der mittelalterlichen Osterdarstellungen hervorgehoben, das mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gehen will: die schlafenden und verwirrten Soldaten, die, von der Auferstehung überrascht, durcheinanderpurzeln. Wie schön wäre es, wenn Ostern die militärische Logik der Welt durcheinanderwirbeln könnte. Aber was hieße das konkret, angefangen von der Nato bis hin zu Präventivschlägen? Ein kontroverses und konzentriertes Gespräch über Anspruch und Grenze der christlichen Friedensethik.
Wie steht es überhaupt mit der österlichen Hoffnung? Woran macht sie sich fest? Und tragen frühere Plausibilitäten auch in der Gegenwart? Joachim Negel macht sich auf die Suche nach dem Himmel, der kein Ort ist – aber trotzdem »irgendwo« zu finden sein muss, wenn Ostern mehr war als die missglückte Trauerarbeit der Jüngerinnen und Jünger und mehr sein soll als ein nettes Frühlingsfest mit Eiersuche. Immerhin war es Jürgen Habermas, der in einer seiner letzten Wortmeldungen den Kirchen ins Stammbuch schrieb, den Inhalt ihrer Botschaft ernstzunehmen. Der Habermas-Kenner Martin Breul erinnert an den großen Denker.
Trotz aller Tiefenbohrung und literarisch-spiritueller Suche: Ostern ist und bleibt ein befremdliches Fest. Petra Freudenberger-Lötz erklärt im Interview, wie man mit Kindern über die Kreuzigung sprechen kann. Und Chefredakteur Matthias Drobinski fragt grundsätzlich, ob die Kunst, sich gegenseitig zu befremden, sogar ein Schlüssel sein könnte, um aus ideologischen Sackgassen herauszufinden – nicht nur in Glaubensfragen, nicht nur an Ostern.
Publik-Forum erscheint wieder am 17. April. Schöne Feiertage wünscht
Michael Schrom
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