Publik-Forum 15/2026
Schwanger für andere
Ist Leihmutterschaft ethisch vertretbar?
Liebe Leserin, lieber Leser,
es war einmal: Sommer, schier endlose Ferienzeit für Geist und Körper, Sauregurkenzeit. Dieses Jahr geht sogar den Gurken das Wasser aus. Die nun schon fünfte Rekord-Hitzewelle brennt sich durch Land und Menschen. Der Kopf, statt Pause machen zu dürfen, plagt sich mit Verstörendem.
Wie war das in Ceuta, der spanischen Enklave auf afrikanischem Boden? Zehntausende Migrantinnen und Migranten laufen Social-Media-Posts hinterher, um ein besseres Leben zu finden – um dann nachher festzustellen: Sie wurden um ihre Träume betrogen, sie wurden gar als Waffe eingesetzt. Nana Gerritzen kommentiert: »Noch verstörender ist es, wie schnell Europa wieder zum Alltag übergeht.« Und das bei – wieder einmal – Dutzenden von Toten an der Grenze in jenem Mittelmeer, das wir so gerne für den Sommerurlaub nutzen.
Viele Fragen hat auch die Leihmutterschaft aufgeworfen, die der CDU-Mann und Katholik Jens Spahn für seinen Kinderwunsch in Anspruch genommen hat, an seinen eigenen politischen Positionen und denen seiner Kirche vorbei. Mit Verurteilung allein kommt man da nicht weiter. Soll das gesetzliche Verbot von Leihmutterschaften fallen? Was sind die ethischen Argumente wert? Was hilft armutsbedrohten Frauen in der Ukraine? Die Salzburger Moraltheologin Angelika Walser durchleuchtet das Für und Wider in der ganzen Tiefe. Und Judith Bauer hat mit einer Kanadierin gesprochen, die neben ihren fünf eigenen Kindern auch noch – so gerne wie überzeugt – sechs weitere ausgetragen hat.
Dass in aufwühlenden Zeiten auch die Apokalyptik wieder einmal Karriere macht, ist kein Wunder. Diesmal tut es der – oder das – rätselhafte »Katechon«, der »große Aufhalter« aus einem neutestamentlichen Paulusbrief, den der Hightech-Milliardär Peter Thiel für seine verschrobene Philosophie einspannt. Rechtsextreme finden Gefallen daran. Der Dortmunder Theologe Gregor Taxacher beleuchtet die Verbindungen von geschürter Endzeitstimmung und Politik.
So gesehen war’s ja gut, dass uns die Sonne diese Woche zweieinhalb Minuten Finsternis geschenkt hat. Ein faszinierendes Schauspiel – mit der beruhigenden Erkenntnis: So finster alles werden kann, danach ist’s wieder hell.
Paul Kreiner
Verlag: Publik-Forum
Bestellnummer: 20059