Trotzdem mit der Ruhe
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Trotzdem mit der Ruhe

Warum Gelassenheit uns weiterbringt

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist eine traurige Tradition geworden. Seit Wladimir Putins Russland die Ukraine überfallen hat, schreibt Denis Trubetskoy uns jedes Jahr einen Bericht aus Kiew. Vier Jahre sind es jetzt schon, dieser Krieg dauert also nun so lange wie der gesamte Erste Weltkrieg. Trubetskoy lebt in Kiew, er schreibt auf Deutsch, wir haben seine kundigen Stücke immer sehr geschätzt. Auch diesmal hat er einen Bericht verfasst, aber als wir ein paar Nachfragen hatten, haben wir bis zum Redaktionsschluss nichts mehr gehört von ihm. Das Verhältnis von Redaktion zu Korrespondenten ist ein besonderes, in all den Jahren hatte ich viel Kontakt zu Trubetskoy, aber gesehen habe ich ihn noch nie. Wie er schreibt, ist dieser Winter der härteste für die Ukraine seit Kriegsbeginn. Wir hoffen, dass sein Verstummen »nur« am mangelnden Strom liegt.

Angesichts solcher Nachrichten, aus Kiew, aus Iran, dem Sudan oder anderswo, wie kann es da gelingen, nicht zu verzweifeln? Und dass, wenn uns oft schon eher kleine Stress-situationen im Alltag zum Durchdrehen bringen? Ich habe mich auf die Suche gemacht, um herauszufinden, wie wir öfter gelassen bleiben können. Eine Psychologin hat mir gesagt: Gelassenheit sei »kein Rückzug aus Verantwortung, sondern eine Fähigkeit im Umgang mit Emotionen«.

In einer Hinsicht kann ich Sie übrigens beruhigen. Dass wir auf unserer letzten Seite keinen Letzten Brief mehr schreiben, hat nichts damit zu tun, dass wir eine verdiente Kollegin in Rente geschickt haben, wie es in einigen Briefen von Ihnen vermutet wurde. Ich darf ein Geheimnis verraten: Hinter den Pseudonymen verbarg sich jeweils eine Redakteurin oder ein Redakteur, und nun ja, es fiel uns zunehmend schwer, die Form zu füllen. Auch, weil wir uns fragten: Wer schreibt heute eigentlich noch Briefe – außer Ämtern?

Jetzt werden Sie rufen: »Wir!« Und damit haben Sie natürlich recht. Und seien Sie versichert, wir freuen uns über jeden Brief, auch über die kritischen. Einer hat uns aber besonders gefreut. Eine Leserin hat ihre Tochter entdeckt, die auf dem Titel unserer letzten Ausgabe zu sehen ist, wie sie ein Schild mit der Aufschrift »Herz statt Hetze« hochhält. Es gibt sie immer auch: die guten Nachrichten.

Ich wünsche Ihnen eine erhellende Lektüre

Constantin Wißmann

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