Publik-Forum print 16/2026
Frieden um jeden Preis?
Margot Käßmann und Stephan Anpalagan über Pazifismus, Aufrüstung und Verantwortung
Liebe Leserin, lieber Leser,
als ich 1983 den Kriegsdienst verweigerte, schien klar: Ein Krieg zwischen der Nato und dem Warschauer Pakt würde im Atomkrieg enden, da wollte ich nicht mitmachen. Heute fallen mir die Antworten schwerer: Ich finde es richtig, die von Russland angegriffene Ukraine auch mit Waffen zu unterstützen (da streiten wir in der Redaktion). Ich bin aber alarmiert, wenn auf einmal selbstverständlich von gerechten Kriegen die Rede ist: Krieg ist und bleibt ein Unrecht, das allenfalls in Kauf zu nehmen ist, um schlimmeres Unrecht zu verhindern. Ich zweifle, bin zerrissen; eindeutige Pazifisten und überzeugte Bellizisten (um es mal zu vereinfachen) haben es da leichter. Wo bitte geht’s zum Frieden?
Umso mehr freue ich mich, dass Margot Käßmann und Stephan Anpalagan sich auf ein Streitgespräch eingelassen haben: Die ehemalige Ratsvorsitzende der evangelische Kirche ist und bleibt Pazifistin, der Publizist und evangelische Theologe Stephan Anpalagan hat seine Kriegsdienstverweigerung widerrufen und sich zur Reserve bei der Bundeswehr gemeldet. Die beiden diskutieren engagiert, aber mit großem Respekt vor der jeweiligen Gewissensentscheidung. Sie erzählen von sich und ihren Prägungen, niemand haut dem anderen die eigene Wahrheit wie einen nassen Lappen um die Ohren. Das macht dieses Gespräch so außergewöhnlich.
Dem inneren Frieden im Land dienen zwei Projekte, über die Paul Kreiner berichtet: In Bayern und in Baden-Württemberg gibt es eine Islamberatung, die Städten und Gemeinden im Umgang mit örtlichen Moscheevereinen hilft: Welche Gruppen sind vertrauenswürdig und verlässlich, wa ist, wenn eine Gemeinde eine Moschee bauen möchte – und dann noch der Muezzin vom Minarett rufen soll? Eine oft konfliktreiche und mühsame Arbeit. Aber eine, die sich lohnt, gerade in einer Zeit wachsender Islamfeindschaft.
Michael Schrom war mittendrin, als der Pfarrer seiner Heimatpfarrei in Oberursel erklärte, er werde sein Amt aufgeben und die Frau heiraten, mit der er schon seit vielen Jahren heimlich zusammen sei. In einem sehr persönlichen Text schreibt er über Tränen und Applaus, die Ambivalenz solcher Offenbarungen – und über den Zölibat, die Ursache von so viel Doppelleben, ungelebtem Leben, Leid.
Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre!
Matthias Drobinski
Verlag: Publik-Forum
Bestellnummer: 20060